Alsdorf. «Wer als Angehöriger einen Demenzkranken pflegt, überfordert sich häufig selbst. Viele wissen nicht, was das für eine gewaltige Herausforderung ist.» Denen will Elisabeth Hogen helfen, will für ein wenig Entlastung sorgen.
Die Leiterin des Sozialdienstes des Alsdorfer Seniorenzentrums St. Anna baut derzeit einen häuslichen Betreuungsdienst für Demenzkranke auf, wie es ihn bislang im Nordkreis nicht gab. In einer 40 Stunden umfassenden Schulung möchte sie Freiwillige ausbilden, die pflegende Angehörige für zwei, drei Stunden in der Woche ablösen. Damit die Tochter etwa zum Frisör gehen kann und dabei nicht um das Wohl ihres Vaters bangen muss, der an Alzheimer leidet. Sie muss nicht fürchten, dass er wieder vergisst, den Herd abzuschalten oder ihn ein Fluchtimpuls zum Verlassen der Wohnung treibt. Weil jemand da ist, der stellvertretend auf ihn aufpasst.
«Oft haben pflegende Angehörige gar keine Zeit mehr für sich. Viele verwirrte Menschen müssen rund um die Uhr betreut werden.» Elisabeth Hogen kennt solche Fälle aus ihrer beruflichen Praxis. Vor allem Frauen pflegten häufig so lange, bis sie ihre eigenen Bedürfnisse gar nicht mehr wahrnähmen. «Da ist häufig falsche Scham dabei. Mancher sagt sich: Meine Eltern waren immer für mich da, jetzt muss ich doch für sie da sein.»
Das Wort «Babysitter» nimmt Elisabeth Hogen zwar nicht in den Mund, doch werden die von ihr Ausgebildeten eine ähnliche Funktion haben. Sie betreuen einen Menschen, damit dessen Angehöriger ein wenig Zeit für sich findet, neue Kräfte tanken kann, oder sich endlich wieder einen Film im Kino anschauen kann.
Sechs Teilnehmer hat sie für einen Kurs bereits beisammen. Wenn es 15 sind, wird sie ihn starten. Voraussichtlich im Januar soll es soweit sein. Im Grundkurs lernen die Teilnehmer die Formen dementieller Erkrankungen kennen, die von leichter Verwirrtheit bis zur totalen Hilflosigkeit des Betroffenen reichen. Ein wenig pflegerisches Grundwissen wird ihnen zudem vermittelt und es werden rechtliche Aspekte erklärt.
zurück