Hospizdienst: Einfühlungsvermögen wichtig

Alsdorf. Alleine zu sterben, niemanden an seiner Seite zu wissen in der Stunde des Todes: An eine solche Situation denkt man nur ungerne. Daher schiebt man solche Gedanken gerne beiseite.


Eine, die nicht die Augen verschließt, sondern sie weit aufreißt, ist die Theologin Beatrix Hillermann, Gründerin des Hospiz-Dienstes St. Anna, der 1999 seine Arbeit aufgenommen hat.

«Wir sind zurzeit 21 Frauen im Hospizdienst. Es ist komisch, aber Männer hatten wir noch nie in unserer Mitte», sinniert Beatrix Hillermann, die einzige Hauptamtliche des Hospizdienstes.

Allein sind sie nie

Sechs der Ehrenamtlerinnen haben sich zum Gespräch mit den «Nachrichten» im Hoengener Seniorenzentrum St. Anna eingefunden, beschreiben, was für sie der Hospizdienst bedeutet, warum sie sich gerade dieses Ehrenamt ausgesucht haben.

Eines ist der Leiterin und ihrem Mitarbeiterstab enorm wichtig: eine fundierte Schulung. Sie dauert zirka ein Jahr. Erst nach einjähriger Vorbereitung und Rollenspiel findet der erste Kontakt mit dem Kranken statt.

Doch auch nach vielen Jahren der Erfahrung: Allein sind die Ehrenamtler nie. Sie stehen im stetigen Kontakt mit Beatrix Hillermann, regelmäßig finden Treffen und fortführende Maßnahmen statt.

Zu viel Nähe schadet dem Loslassen

Menschen mit Helfersyndrom sind beim Hospiz-Dienst fehl am Platze. Es ist die tiefe Liebe zum Mitmenschen, die die Hospizhelfer verbindet und antreibt. Tod und Geburt ist für sie ein Kreislauf. Sie haben gelernt zuzuhören.

Die 64 Jahre alte Ingeborg Reichel begleitet seit zweieinhalb Jahren todkranke Menschen. «Auslöser war eine Bekannte, deren Mann im Sterben lag. Sie sagte, sie wolle nicht gerufen werden, wenn ihr Mann während der Nacht sterbe. Dass ein Mensch alleine sterben muss, das fand ich einfach furchtbar», beschreibt sie ihre Gefühle. Also beschäftigte sich Reichel mit dem Thema, verschlang jeden Artikel. «So ein Entschluss muss reifen, dazu entschließt man sich nicht von heute auf morgen.»

Der Hospizdienst kümmert sich auch um Schwerkranke, die liebevoll umsorgt werden. «Zu viel Nähe bedeutet auch manchmal, dass Menschen nicht loslassen können», weiß Manuela Macko, 41 Jahre. «Wir stehen dann nicht nur dem Sterbenden bei, sondern trösten die komplette Familie. Als mein Schwager starb, der mir sehr nahe stand, habe ich andauernd mit Frau Hillermann telefoniert.» Ohne diese Dialoge hätte sie den Sterbefall wahrscheinlich weniger gut verarbeitet.

Beatrix Hillermann bedauert, dass es vielen Menschen an Information mangelt. «Der Tod bricht über viele Familien wie Blitz und Donner ein. Es würde vielen besser gehen, wenn sie besser informiert wären.»

Trost spenden

Den professionellen Sterbebegleiter gebe es nicht. «Man kann aber eine Situation besser machen, indem man sie aushält. Wir können uns zum x-ten Mal das Gleiche anhören, das ist okay. Nicht aber für den Verwandten, weil sie dem Patienten einfach oft zu nahe stehen.»

Claudia Reichert ist mit 39 Jahren das «Küken» im Hospizdienst. «Ich mache diese Arbeit, weil ich an ein Leben nach dem Tod glaube. Dazu Christina Gesell: «Sterbende, die meinen Glauben teilen, bitte ich immer, meine verstorbene Großmutter von mir zu grüßen.» Gleichwohl: Ob die Sterbenden gläubig und religiös sind, spielt keine Rolle. Der Hospizdienst richtet sich nach den Wünschen des Kranken, ist da, um Trost zu spenden.

In 2003 hat der Hospizdienst im Nordkreis 35 Sterbende begleitet. «Wir werden immer bekannter, dadurch erhöht sich die Anzahl der Begleitungen. Wir suchen dringend verlässliche Ehrenamtler», hofft die Theologin auf Verstärkung.

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