Schon nach kurzer Zeit sind ihr die ersten Unterschiede zwischen Ihrer Heimat und ihrem Gastland aufgefallen. „Hier gibt es für jede Art von Abfall einen eigenen Behälter, das war mir ganz neu“ staunte sie. Alles sei viel schneller, die Menschen seien unheimlich beschäftigt und hätten immer was zu tun. Dies sei wohl auch der Grund, warum es für wirklich alles eine Maschine gäbe meinte Sie scherzhaft.
Die Menschen seien zwar gestresst aber sehr freundlich, fröhlich und liebenswert und überhaupt nicht rassistisch wie Sie sofort betont. Davor hatte Sie am meisten Bedenken, wie die Menschen auf Ihre Hautfarbe reagieren und ob Sie mit Anfeindungen rechnen müsse. Das Gegenteil war bisher der Fall freut Sie sich. „Alle sind so nett zu mir!“ Soviel wie möglich möchte Sie über unser Land und über unsere Kultur kennen lernen, gleichzeitig aber auch etwas von ihrer Kultur vermitteln. Das ist ihr wichtig.
Inutu ist ein sehr gläubiger Mensch, für Sie ist es schwierig zu verstehen, wenn jemand sagt, das er zwar Christ sei, aber nicht an Gott glauben würde. "Gott", meint Sie, "ist für mich der Kreislauf des Lebens." Ihr Glaube hat Sie auch nach Deutschland gebracht. Ein sambischer Pfarrer hat Sie für dieses Projekt vorgeschlagen und nach mehreren Tests wurden Sie und ein zweites Mädchen, Mazuba Ngunda, ausgewählt. Nach Ihrer Ankunft kamen Sie erst einmal für mehrere Wochen bei einer Gastfamilie in Düren unter, wo Sie auch ihre ersten Deutschkenntnisse sammelten. Die Gastmutter, eine Lehrerin, unterrichtete Sie täglich.
Noch liegt ein aufregendes Jahr vor ihr, aber Sie freut sich auch auf Ihre Rückkehr, denn dann will Sie das vierjährige Studium der Sozialarbeit beginnen, auch wenn Sie dafür Studiengebühren bezahlen muss. “Aber ist es nicht toll, das Frauen mittlerweile die gleichen Rechte und Chancen haben wie die Männer in meinem Land?“ sagt Sie und betont stolz, das Sie zwar noch ein Entwicklungsland seien, aber eine demokratische Regierung mit sogar einigen weiblichen Ministern im Parlament haben. Die Rolle der Frau hat sich gewandelt und neben Heiraten und die Kinder versorgen ist nun auch studieren und Karriere realisierbar.
Natürlich gibt es noch Verständigungsprobleme, da unsere Bewohner und auch einige Mitarbeiter nicht die englische Sprache beherrschen, aber das ist nicht das Entscheidende. Man verständigt sich zur Not auch mal mit „Händen und Füßen“ und einem Lachen. Das hat bisher hervorragend geklappt!
Inutu freut sich auf die nächsten drei Monate mit uns. Wir wünschen Ihr weiterhin viele positive und überraschende Begegnungen und dass es Ihr gelingt, viel Licht in das Leben Ihrer Mitmenschen zu bringen – und das nicht nur in St. Anna.